Pferd mit geringem Gewicht und strukturreichem Raufutter als Lösung für gesunde Gewichtszunahme.

Warum manche Pferde nicht zunehmen – und was wirklich hilft

Johannes Kratzer

Ursachen verstehen statt nur „mehr füttern“ – mit praxistauglichen Lösungen für Alltag, Offenstall und Senioren

Viele kennen das: Man füttert gewissenhaft, achtet auf Qualität – und trotzdem sieht man jede Rippe. Das Pferd baut keine Substanz auf, wirkt „leer“ oder verliert in Stressphasen oder im Winter an Gewicht.

Gerade bei Seniorenpferden, empfindlichen Pferden oder in Gruppenhaltung ist das ein häufiges Thema. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen liegt es nicht an „zu wenig Futter“, sondern an Stellschrauben wie Fresszeit, Verwertung, Stress oder Raufutterqualität.

Kurzfassung: Das hilft wirklich, wenn dein Pferd nicht zunimmt

  • Ursache finden statt nur mehr füttern: Zähne, Stress/Rangordnung, Fresszeiten und Raufutterqualität sind die häufigsten Gründe.
  • Fresszeit verlängern: Pferde sind Dauerfresser – längere Fresszeiten stabilisieren Magen und Darm.
  • Struktur & Verdaulichkeit priorisieren: Gut verdauliche Faserenergie wirkt oft nachhaltiger als „mehr Kraftfutter“.
  • Kleine Portionen, dafür öfter: Entlastet Verdauung und verbessert die Verwertung.
  • Gezielt ergänzen: Strukturierte Cobs/Pellets können unterstützen – besonders bei Senioren oder schlechter Heuaufnahme.

1. Warum Pferde trotz Futter nicht zunehmen: die häufigsten Ursachen

Wenn Energie nicht ankommt, hilft mehr Menge selten – erst die Ursache macht den Unterschied

1.1 Zahnprobleme – oft der wahre Grund

Wenn Zähne scharf, ungleichmäßig abgenutzt oder lückenhaft sind, wird Raufutter schlechter zerkleinert. Das kann dazu führen, dass:

  • Heu nicht ausreichend gekaut wird
  • Futter schlechter verwertet wird
  • die Fresszeit sinkt (das Pferd „gibt auf“)

Folge: Trotz guter Ration kommt weniger verwertbare Energie im Verdauungstrakt an.

Tipp von myPellis:
Gerade bei Pferden ab ca. 15 Jahren lohnt sich eine regelmäßige Zahnkontrolle. Wenn dein Pferd Heu „sortiert“, langsam frisst oder Heuwickel fallen lässt, ist das ein typisches Warnsignal.


1.2 Stress & Rangordnung – unsichtbar, aber entscheidend

In Gruppenhaltung werden rangniedrige Pferde häufig vom Futter verdrängt oder fressen hastig. Zusätzlich kann Stress die Verdauung belasten – besonders bei sensiblen Pferden.

  • zu kurze Fresszeiten
  • zu hektische Futteraufnahme
  • zu wenig Ruhe beim Fressen

Tipp von myPellis:
Wenn möglich: mehrere Fressplätze, räumliche Trennung für schwächere Tiere oder zusätzliche „Ruhezeiten“ zum Fressen schaffen. Oft ist das der größte Hebel – ganz ohne mehr Futter.


1.3 Zu kurze Fresszeiten – Pferde sind Dauerfresser

Pferde sind darauf ausgelegt, über viele Stunden am Tag kleine Mengen aufzunehmen. Lange Fresspausen können den Magen-Darm-Trakt belasten und die Gewichtsentwicklung negativ beeinflussen.

Praxiszeichen: Dein Pferd frisst beim Ausmisten sofort alles weg, wirkt „futterfixiert“ oder wird unruhig vor der Fütterung? Dann sind Fresspausen oft zu lang.


1.4 Raufutterqualität & Struktur – „Heu ist nicht gleich Heu“

Selbst wenn die Menge passt, kann Raufutter in der Verwertung schwanken – z. B. durch:

  • zu späten Schnitt (mehr Stängel, weniger Energie)
  • Staub oder Schimmelsporen (Atemwege, Fresslust)
  • sehr grobe Struktur (Senioren & schlechte Zähne)

Tipp von myPellis:
Wenn du häufiger Probleme mit Gewicht oder Fell hast, lohnt sich eine Heuanalyse – besonders bei Senioren oder Sportpferden.


2. Warum „mehr Kraftfutter“ oft der falsche Weg ist

Mehr Kalorien lösen kein Verwertungsproblem

Ein häufiger Reflex bei dünnen Pferden ist: Kraftfutter erhöhen. Das kann kurzfristig Energie liefern, aber bei vielen Pferden auch neue Probleme erzeugen – vor allem, wenn die Basis (Raufutter, Fresszeit, Darm) nicht stabil ist.

  • Die Verdauung kann aus dem Gleichgewicht geraten.
  • Die Darmflora kann sensibel reagieren.
  • Der Stoffwechsel kann stärker belastet werden.

Merksatz: Zunehmen ist oft kein „Mehr-Menge-Problem“, sondern ein Struktur-& Verwertungsproblem.


3. Der Schlüssel: Struktur & Verdaulichkeit

Was dünne Pferde wirklich brauchen: ruhige Fresszeiten, gute Fasern und eine stabile Basis

Viele Pferde profitieren besonders von:

  • strukturreicher, gut verdaulicher Faser
  • gleichmäßiger Energie statt „Energie-Spitzen“
  • mehr Kauzeit und weniger Fresspausen

Hier können strukturierte Raufutterprodukte (Cobs/Pellets) sinnvoll unterstützen – vor allem bei Senioren, bei schlechter Heuaufnahme oder wenn Heuqualität schwankt.


4. Praxislösungen: So hilfst du deinem Pferd nachhaltig zuzunehmen

Ein Plan, der im Stallalltag funktioniert – ohne Aktionismus

4.1 Fresszeit verlängern (der stärkste Hebel)

  • Heunetze / Slow Feeding
  • mehrere kleine Heugaben
  • zusätzliche strukturierte Raufuttermahlzeiten (eingeweicht)

4.2 Kleinere Portionen – dafür öfter

Mehrere kleine Portionen sind meist verträglicher als wenige große. Das gilt besonders für empfindliche Pferde, Senioren und „Stressfresser“.


4.3 Strukturierte Ergänzungen gezielt einsetzen (myPellis Produktempfehlungen)

Wichtig: Diese Produkte sind als Ergänzung zur Grundration gedacht – nicht als Ersatz für Heu. In vielen Fällen sind sie besonders praktisch, wenn dein Pferd Heu schlecht frisst, schlecht kaut oder du die Ration strukturreicher gestalten willst.

  • myPellis Grascobs
    Strukturreiche, gleichmäßige Faserenergie – ideal als Basisergänzung bei schlechter Heuaufnahme oder schwankender Heuqualität.
  • myPellis Grünhafercobs
    Sehr schmackhaft und strukturbetont – oft eine gute Option, wenn das Pferd „wählerisch“ ist oder mehr Substanz braucht, ohne überdreht zu werden.
  • myPellis Luzernepellets
    Häufig genutzt, wenn Substanz oder Muskulatur fehlen: strukturreich, eiweißbetont – passend zur Gesamtration eine sinnvolle Ergänzung.
  • Esparsette-Pellets (naturrein, getreidefrei)
    Besonders interessant für sensible Pferde: rohfaserreich und beliebt zur rationellen Ergänzung – auch bei „Magen-Darm-sensiblen“ Kandidaten.
  • myPellis Maiscobs
    Energiedicht – kann bei höherem Bedarf (z. B. Winter, Offenstall, schwerfuttrige Typen) eine sinnvolle Ergänzung sein. Immer passend zur Gesamtration einsetzen.
  • Zuckerrübenschnitzel ohne Melasse (bald bei myPellis)
    Häufig genutzt zur schonenden Unterstützung der Gewichtsentwicklung über gut verdauliche Faserenergie. Melassefrei ist für viele Pferde interessant, wenn man auf Zucker besonders achten möchte.

Tipp von myPellis:
Cobs & Pellets bei Pferden immer langsam anfüttern und – je nach Produkt und Pferdetyp – bevorzugt eingeweicht geben. So wird es weicher, staubarm und meist besser aufgenommen (gerade bei Senioren).


5. Geduld & Beobachtung: Gewichtszunahme braucht Zeit

Woran du erkennst, ob du auf dem richtigen Weg bist

Gesundes Zunehmen passiert in der Regel über Wochen. Achte auf:

  • Körperzustand (BCS: Rippen fühlbar, aber nicht deutlich sichtbar)
  • Fellglanz & Muskulatur
  • Fresslust & Ruhe beim Fressen
  • Kotbild (wichtiges Verdauungszeichen)

6. Fazit

Wenn ein Pferd nicht zunimmt, ist das selten mangelnde Fürsorge – meist sind es Ursachen wie Zähne, Stress, Fresszeiten oder Raufutterqualität. Mit einem Plan aus mehr Ruhe, mehr Struktur und gezielten Ergänzungen lässt sich die Gewichtsentwicklung bei vielen Pferden deutlich stabilisieren – pferdegerecht, nachvollziehbar und alltagstauglich.


FAQ: Pferd nimmt nicht zu – die häufigsten Fragen

Wie schnell kann ein Pferd gesund zunehmen?

Eine gesunde Gewichtszunahme braucht Zeit. Erste positive Veränderungen zeigen sich häufig nach einigen Wochen. In der Regel sollte man mit einem Zeitraum von 4 bis 12 Wochen rechnen – abhängig von Ursache, Ausgangszustand, Fresszeit, Stresslevel und Raufutterqualität.

Mein Pferd frisst viel – warum nimmt es trotzdem nicht zu?

Oft liegt das Problem nicht an der Menge, sondern an der Verwertung. Häufige Ursachen sind Zahnprobleme, Stress oder Rangordnung in der Gruppe, zu kurze Fresszeiten oder eine ungeeignete Raufutterstruktur. Auch eine unausgewogene Darmflora kann eine Rolle spielen.

Was ist besser zum Zunehmen: Maiscobs, Grascobs oder Luzernepellets?

Das hängt vom Pferd und vom Ziel ab. Grascobs liefern gut verträgliche Faserenergie und eignen sich oft als Basisergänzung. Luzernepellets werden häufig eingesetzt, wenn zusätzlich Substanz oder Muskulatur aufgebaut werden soll. Maiscobs können sinnvoll sein, wenn ein Pferd einen erhöhten Energiebedarf hat – etwa im Winter oder bei Offenstallhaltung. Entscheidend ist immer die Gesamtration.

Kann ich Cobs und Pellets auch bei Senioren füttern?

Ja, viele Senioren profitieren davon – besonders dann, wenn Heu schlechter gekaut wird. Bewährt hat sich, Cobs und Pellets langsam anzufüttern und – je nach Produkt und Pferd – bevorzugt eingeweicht zu füttern. Das erleichtert die Aufnahme und ist magen- und darmfreundlicher.

Warum ist eine längere Fresszeit oft wichtiger als mehr Kraftfutter?

Pferde sind von Natur aus Dauerfresser. Längere Fresszeiten unterstützen die Verdauung, stabilisieren den Magen-Darm-Trakt und sorgen für eine gleichmäßigere Energieversorgung. Mehr Kraftfutter kann kurzfristig Kalorien liefern, löst aber nicht automatisch die Ursache, wenn das Pferd Futter schlecht verwertet.

Welche Rolle spielt Stress im Offenstall?

Stress und Rangordnung können großen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung haben. Rangniedrige Pferde fressen oft zu kurz oder zu hastig. Mehr Fressplätze, räumliche Trennung beim Füttern oder zusätzliche Ruhephasen können helfen, Stress zu reduzieren und die Futteraufnahme zu verbessern.

Wann sollte ich einen Tierarzt oder Fütterungsberater hinzuziehen?

Bei starkem oder plötzlichem Gewichtsverlust, anhaltender Abmagerung, auffälligem Kot, Fressunlust oder Verdacht auf Zahn- oder Stoffwechselprobleme sollte immer fachlicher Rat eingeholt werden. Auch wenn sich trotz Anpassungen über mehrere Wochen keine Verbesserung zeigt, ist eine individuelle Abklärung sinnvoll.

Sind Zuckerrübenschnitzel ohne Melasse zum Zunehmen geeignet?

Melassefreie Zuckerrübenschnitzel werden häufig eingesetzt, um Pferde über gut verdauliche Faserenergie schonend beim Zunehmen zu unterstützen. Sie lassen sich gut in strukturbetonte Rationen integrieren und gelten – passend dosiert – als magen- und darmfreundliche Ergänzung.

 


Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder individuelle Fütterungsberatung. Bei anhaltendem Gewichtsverlust, plötzlicher Abmagerung, Verdacht auf Erkrankungen oder besonderen Anforderungen (z. B. Stoffwechselerkrankungen) sollte stets Rücksprache mit Tierarzt und/oder qualifiziertem Fütterungsberater gehalten werden. Futtermittel sind Ergänzungen zur Grundration und keine Arzneimittel.

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