Heuknappheit beim Pferd: Fehlende Heumengen sinnvoll ergänzen | myPellis

Heuknappheit beim Pferd: Fehlende Heumengen sinnvoll ergänzen | myPellis

Johannes Kratzer
Pferd am Heunetz vor einem trockenen Feld – Raufutterversorgung bei regionaler Heuknappheit

Fachratgeber Pferdefütterung

Heuknappheit beim Pferd:
Fehlende Heumengen sinnvoll ergänzen

Hochwertiges Heu bleibt die wichtigste Grundlage der Pferdefütterung. Wird es regional knapp, können geeignete Raufutterprodukte eine begrenzte Versorgungslücke ergänzen. Entscheidend sind dabei nicht nur Kilogramm, sondern Trockenmasse, Nährstoffgehalte, Fressdauer und die individuellen Bedürfnisse des Pferdes.

1 Versorgungslücke bestimmen Tatsächlich gefressene Heumenge, Körpergewicht und Trockenmasse erfassen.
2 Passende Ergänzung auswählen Gras, Timothy, Luzerne, Grünhafer und Esparsette unterscheiden sich deutlich.
3 Fresszeit weiter absichern Cobs und Pellets liefern Faser, aber nicht automatisch dieselbe Kauzeit wie Heu.
Das Wichtigste auf einen Blick

Heu sollte nicht vorschnell vollständig gestrichen werden. Raufutterprodukte können fehlende Trockenmasse und Nährstoffe ergänzen, übernehmen jedoch nicht automatisch alle Funktionen von langhalmigem Heu. Entscheidend sind die gesamte Ration, die tatsächliche Futteraufnahme, die Fressdauer und die individuellen Bedürfnisse des Pferdes.

Warum hochwertiges Heu regional knapp werden kann

Die Erträge von Wiesen und Feldfutterbeständen hängen stark von Niederschlag, Temperatur, Bodenart, Pflanzenbestand, Nutzungszeitpunkt und Bewirtschaftung ab. Trockenperioden können das Wachstum bremsen, Folgeaufwüchse verkleinern und die Erntemenge regional deutlich reduzieren. Gleichzeitig ist nicht jedes geerntete Raufutter als Pferdeheu geeignet: Hygienische Qualität, Staubbelastung, Schimmelrisiko, Pflanzenzusammensetzung und Schnittzeitpunkt begrenzen die tatsächlich verfügbare Menge zusätzlich.

Eine regional angespannte Versorgungslage bedeutet nicht automatisch, dass in ganz Süddeutschland zu wenig Heu vorhanden ist. Sie erhöht jedoch den Planungsbedarf. Wer absehen kann, dass die eigenen Vorräte nicht bis zur nächsten Ernte reichen, sollte frühzeitig handeln. Eine geplante, schrittweise Rationsanpassung ist für das Pferd günstiger als ein abrupter Futterwechsel, sobald der letzte Ballen verbraucht ist.

Warum Heu für Pferde so wichtig ist

Pferde sind auf die Aufnahme faserreicher Pflanzenkost in vielen kleinen Portionen spezialisiert. Der Magen ist im Verhältnis zur Körpergröße klein und produziert fortlaufend Magensäure. Speichel entsteht dagegen hauptsächlich während des Kauens. Strukturreiches Raufutter fördert daher nicht nur die Nährstoffaufnahme, sondern auch Kautätigkeit, Speichelbildung, Beschäftigung und ein möglichst gleichmäßiges Fressverhalten.

Der überwiegende mikrobielle Abbau pflanzlicher Fasern findet im Blind- und Dickdarm statt. Dort fermentieren Mikroorganismen Bestandteile wie Zellulose und Hemizellulose. Die dabei entstehenden kurzkettigen Fettsäuren tragen wesentlich zur Energieversorgung bei. Eine stabile Raufutterbasis unterstützt daher die Funktion des Verdauungstraktes und die mikrobielle Gemeinschaft im Hinterdarm.

Heu erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig

  • Es liefert fermentierbare Fasern sowie je nach Qualität Energie, Protein, Mineralstoffe und Vitamine.
  • Die lange Struktur fördert Kauen und Speichelbildung.
  • Die vergleichsweise langsame Aufnahme verlängert die Fresszeit.
  • Es unterstützt pferdetypisches Such-, Kau- und Beschäftigungsverhalten.
  • Es hilft, längere Nüchternphasen zu vermeiden.
Wichtige Einschränkung bei Pellets und Cobs

Das Pressen entfernt die Faser nicht. Durch Zerkleinerung und Aufbereitung wird die physikalische Struktur jedoch kürzer. Eingeweichte Produkte können zudem deutlich schneller aufgenommen werden als langhalmiges Heu. Nährstoff- und Faserversorgung lassen sich deshalb eher ausgleichen als die ursprüngliche Fressdauer.

Pferd bei der Aufnahme von Raufutter
Langhalmiges Raufutter fördert eine längere Kau- und Beschäftigungsdauer. Eingeweichte Cobs können die Faser- und Nährstoffversorgung ergänzen, werden jedoch meist schneller aufgenommen.

Raufutterbedarf und Trockenmasse richtig einschätzen

Bevor ein Ergänzungsfutter ausgewählt wird, muss geklärt werden, wie groß die Versorgungslücke tatsächlich ist. Dazu gehören Körpergewicht, Ernährungszustand, Arbeitsleistung, Gesundheitsstatus, Haltungsform, Weideaufnahme, Heuqualität und die tatsächlich gefressene Heumenge.

Als verbreitete Orientierung gelten etwa 1,5 bis 2,0 kg Raufutter-Trockenmasse je 100 kg Körpermasse und Tag. Die passende Menge hängt jedoch vom individuellen Pferd und von der gesamten Ration ab. Bei Erkrankungen, starkem Über- oder Untergewicht, Jungpferden, tragenden oder laktierenden Stuten sowie hoher Leistung ist eine individuelle Rationsberechnung besonders wichtig.

Körpergewicht 1,5 kg TM/100 kg 2,0 kg TM/100 kg
400 kg 6,0 kg TM 8,0 kg TM
500 kg 7,5 kg TM 10,0 kg TM
600 kg 9,0 kg TM 12,0 kg TM
700 kg 10,5 kg TM 14,0 kg TM

Diese Tabelle ist keine fertige Fütterungsempfehlung. Sie zeigt, warum Körpergewicht und Trockenmasse wichtiger sind als eine pauschale Kilogrammzahl.

Frischmasse und Trockenmasse nicht verwechseln

Ein Kilogramm eingeweichte Cobs ist nicht mit einem Kilogramm trockenem Heu vergleichbar, weil das zugesetzte Wasser das Gewicht erhöht, aber keine zusätzliche Trockenmasse liefert. Berechnet wird immer die Trockenmenge vor dem Einweichen.

Vereinfachte Formel

Trockenmasse = gefütterte Menge × Trockenmassegehalt

Beispiel: 2,0 kg Cobs mit 90 % Trockenmasse liefern 1,8 kg Trockenmasse.

Zusätzlich müssen Energie, Rohprotein, Calcium, Phosphor, Zucker, Stärke und gegebenenfalls Fruktan betrachtet werden. Zwei Kilogramm Luzerne sind nährstofflich nicht dasselbe wie zwei Kilogramm spät geschnittenes Wiesenheu.

Geeignete Raufutterprodukte im Vergleich

Grascobs: vielseitige Basis aus Wiesengras

Grascobs werden aus getrocknetem Wiesengras hergestellt. Sie liefern je nach Pflanzenbestand und Schnittzeitpunkt fermentierbare Fasern, Energie und Protein. Aktuelle Analysewerte sind aussagekräftiger als pauschale Annahmen.

Geeignet als: grasbasierte Ergänzung bei Heuknappheit, für Senioren, Pferde mit Zahnproblemen und staubempfindliche Pferde.

Zu beachten: vollständig nach Herstellerangabe einweichen; Energie und Zucker der jeweiligen Charge berücksichtigen; Fresszeit gesondert absichern.

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Timothy-Heucobs: Wiesenlieschgras als faserreiche Ergänzung

Timothy oder Wiesenlieschgras (Phleum pratense) ist ein ausdauerndes Futtergras. Timothy-Heucobs können sinnvoll sein, wenn eine grasbasierte, staubarme Raufutterkomponente gesucht wird. Der Name „Timothy“ erlaubt jedoch keine sichere Aussage über Zucker oder Energie. Entscheidend sind Laboranalyse und Gesamtration.

Geeignet als: Ergänzung bei begrenzter Heuverfügbarkeit, für Senioren, Zahnprobleme und staubempfindliche Pferde.

Zu beachten: vollständig einweichen; kürzere Fressdauer gegenüber Heu berücksichtigen.

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Timothy-Heupellets: gut dosierbar, aber feinere Struktur

Timothy-Heupellets basieren ebenfalls auf Wiesenlieschgras, sind jedoch feiner zerkleinert und kleiner gepresst. Sie lassen sich gut portionieren und mit anderen Komponenten mischen. Bei größeren Ersatzmengen ist zu bedenken, dass Pellets meist schneller aufgenommen werden als Cobs oder langhalmiges Heu.

Geeignet als: kleinere Ergänzungsmenge, eingeweichte Mahlzeit oder fein dosierbare Grasfaser.

Zu beachten: Bei Pferden empfiehlt myPellis das vollständige Einweichen, besonders bei hastigen Fressern, Senioren und Zahnproblemen. Die Produktanweisung hat Vorrang.

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Luzernepellets: eiweiß- und calciumreiche Faserkomponente

Luzerne ist eine Leguminose und liefert in der Regel mehr Rohprotein und Calcium als viele Gräser. myPellis Luzernepellets weisen chargenbezogen etwa 16 bis 17 % Rohprotein und rund 29 bis 31 % Rohfaser auf. Sie sind damit eine gezielte Ergänzung, aber nicht automatisch die beste alleinige Lösung bei jeder Heuknappheit.

Geeignet als: Teil einer Ration bei erhöhtem Proteinbedarf, für schwerfuttrige oder sportlich beanspruchte Pferde, sofern die Gesamtration dazu passt.

Zu beachten: Calcium-Phosphor-Verhältnis, Gesamtprotein und Energie neu bewerten; nach Produktanweisung füttern.

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Luzernewürfel: gröbere Form mit mehr Kauanreiz

myPellis Luzernewürfel bestehen aus 100 % Luzerne und enthalten keine zugesetzte Melasse oder Bindemittel. Die erste analysierte Charge weist 16,73 % Rohprotein und 27,20 % Rohfaser auf. Die Würfelform kann gegenüber feinen Pellets mehr Kauanreiz bieten, bleibt aber deutlich kürzer als langhalmiges Heu.

Geeignet als: gröbere Luzernekomponente innerhalb einer passenden Gesamtration.

Zu beachten: Bei hastigen Fressern, Senioren oder Zahnproblemen vollständig einweichen; Analysewerte gelten nur für die genannte Charge.

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Grünhafercobs: analysierte Qualität der aktuellen Ernte 2026

Grünhafer wird geerntet, bevor die Haferkörner vollständig ausreifen. Dadurch besteht das Futtermittel überwiegend aus Blatt- und Stängelanteilen. Für die aktuelle myPellis-Ernte 2026 wurde eine unabhängige Laboranalyse durch die LUFA Nord-West durchgeführt.

Parameter Wert in der Trockenmasse
Gesamtzucker 3,4 %
Stärke < 0,2 %
Fruktan 3,1 %
Rohprotein 9,9 %
Rohfaser 34,9 %
Umsetzbare Energie (ME Pferd) 6,1 MJ/kg
Calcium 0,43 %
Phosphor 0,31 %

LUFA Nord-West, Prüfbericht vom 23.07.2026; Werte bezogen auf die Trockenmasse. Naturprodukte können chargenbedingt schwanken.

Die aktuelle Charge weist mit 3,4 % Gesamtzucker, 3,1 % Fruktan und weniger als 0,2 % Stärke niedrige analysierte Gehalte dieser leicht löslichen Kohlenhydrate auf. Gleichzeitig liefert sie mit 34,9 % Rohfaser einen hohen Faseranteil. Diese Werte erlauben eine deutlich genauere Einordnung als allgemeine Aussagen über Grünhafer.

Geeignet als: abwechslungsreiche Faserkomponente und zur Ergänzung einer begrenzten Heumenge, sofern Nährstoffprofil, Fütterungsmenge und Gesamtration zum Pferd passen.

Zu beachten: Auch günstige Einzelwerte sind keine pauschale Eignungsaussage. Bei Insulindysregulation, EMS, PPID oder Hufreherisiko müssen Zucker, Stärke, Fruktan, Gesamtmenge und übrige Ration gemeinsam beurteilt werden. Die myPellis Grünhafercobs vor der Fütterung vollständig einweichen.

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Esparsette: Leguminose mit chargenbezogenen Analysewerten

Esparsette ist wie Luzerne eine Leguminose. Die analysierte myPellis-Charge enthält 13,2 % Rohprotein, 26,0 % Rohfaser, 4,8 % Zucker, 1,7 % Stärke, 3,3 % Fruktan und 1,01 % Calcium. Diese Werte ermöglichen eine präzisere Einordnung als allgemeine Aussagen über die Pflanze. Kondensierte Tannine sind ein natürliches Merkmal der Esparsette; daraus sollten jedoch keine krankheitsbezogenen Wirkversprechen abgeleitet werden.

Geeignet als: gezielte Ergänzung von Faser und Protein sowie als Bestandteil einer gemischten Raufutterration.

Zu beachten: Protein, Calcium und Mineralstoffversorgung der Gesamtration berücksichtigen; Analysewerte gelten chargenbezogen.

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Pellets, Cobs oder Würfel – welche Form passt besser?

Merkmal Pellets Cobs/Würfel
Struktur feiner gröber, produktabhängig
Dosierung sehr einfach ebenfalls gut möglich
Fressdauer häufig kürzer häufig etwas länger, aber kürzer als Heu
Einweichen nach Produktanweisung bei Cobs in der Regel vollständig
Einsatz kleine bis mittlere Ergänzung, Mischration größere eingeweichte Raufutterportionen

Die Form allein sagt nichts über Zucker, Stärke, Energie oder Protein aus. Diese Werte werden vor allem durch Pflanzenart, Schnittzeitpunkt und Charge bestimmt.

Entscheidungshilfe: Welches Produkt kann passen?

Situation Mögliche Ergänzung Wichtig
Allgemeine Heuknappheit Grascobs oder Timothy-Produkte Analyse und Fresszeit beachten
Senior/Zahnprobleme vollständig eingeweichte Gras- oder Timothy-Cobs Zahnkontrolle und ausreichende Gesamtmenge
Schwerfuttriges Pferd Grasprodukt plus passende Luzernekomponente Energie und Protein berechnen
Erhöhter Proteinbedarf Luzerne oder Esparsette Calcium und Gesamtprotein prüfen
Staubempfindlichkeit eingeweichte Cobs/Pellets Ursache tierärztlich abklären
Stoffwechselempfindlichkeit nur nach Analyse geeignete Charge Zucker plus Stärke der Gesamtration bewerten

Praxisbeispiele für begrenzte Heumengen

Wichtig: Die folgenden Beispiele zeigen das Vorgehen, nicht eine pauschale Fütterungsempfehlung. Eine exakte Austauschmenge setzt Analysewerte von Heu und Ergänzungsfutter voraus.

Beispiel 1: 600-kg-Freizeitpferd

Stehen statt der bisher gefütterten 10 kg Heu nur noch 8 kg zur Verfügung, fehlen zunächst 2 kg Heu-Frischmasse. Bei angenommenen 86 % Trockenmasse entsprechen diese rund 1,72 kg Trockenmasse. Soll ein Grasprodukt mit 90 % Trockenmasse die Lücke rechnerisch ausgleichen, wären dafür ungefähr 1,9 kg Trockenprodukt erforderlich. Diese Menge wird vor dem Einweichen gewogen.

Ob 1,9 kg tatsächlich passen, hängt von Energie, Protein, Zucker, Stärke, Mineralstoffen und Körperzustand ab. Das vorhandene Heu sollte möglichst über den Tag verteilt werden; die eingeweichte Ergänzung kann auf mehrere Mahlzeiten aufgeteilt werden.

Beispiel 2: Senior mit eingeschränkter Kaufähigkeit

Bei Heuwickeln, Gewichtsverlust oder langen Futterzeiten sollte zunächst das Gebiss kontrolliert werden. Kann der Senior einen Teil des Heus nicht mehr ausreichend verwerten, können eingeweichte Grascobs oder Timothy-Heucobs einen größeren Anteil der tatsächlich aufgenommenen Faser liefern. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Heu vorgelegt wird, sondern wie viel das Pferd wirklich frisst und verdaut.

Beispiel 3: Schwerfuttriges Pferd

Fehlende Heumengen können mit einem Grasprodukt ergänzt und – sofern die Gesamtration dazu passt – durch Luzerne oder Esparsette aufgewertet werden. Eine reine Erhöhung von Getreide würde zwar Energie liefern, die fehlende Raufutterfunktion aber nicht ausgleichen.

Beispiel 4: Leichtfuttriges oder stoffwechselempfindliches Pferd

Hier ist „wenig Stärke“ allein kein ausreichendes Auswahlkriterium. Entscheidend sind insbesondere Zucker plus Stärke, die gefütterte Gesamtmenge, das Gewicht des Pferdes und der aktuelle Gesundheitsstatus. Bei diagnostizierter Insulindysregulation, EMS, PPID oder Hufrehe ist die Ration mit Tierarzt oder qualifizierter Fütterungsberatung abzustimmen.

Fütterungsmanagement: So wird aus einem Ersatzprodukt eine sinnvolle Lösung

Schritt 1

Langsam umstellen

Neue Futtermittel schrittweise über mehrere Tage einführen. Bei empfindlichen Pferden oder größeren Rationsänderungen kann eine längere Umstellungsphase sinnvoll sein.

Schritt 2

Trockenmenge wiegen

Die Ration immer anhand der trockenen Produktmenge berechnen. Das Wasser zum Einweichen zählt nicht als Futtermenge.

Schritt 3

Herstellerangaben zum Einweichen beachten

Quellzeit und Wassermenge hängen von Pellet- oder Cobsgröße, Temperatur und Produkt ab. Erst verfüttern, wenn keine harten Kerne mehr vorhanden sind.

Schritt 4

Mehrere Mahlzeiten anbieten

Größere Mengen eingeweichter Produkte auf mehrere Portionen verteilen. Das unterstützt eine gleichmäßigere Aufnahme und verhindert sehr große Einzelmahlzeiten.

Schritt 5

Fresszeit erhalten

Wenn möglich, weiterhin langhalmiges Heu oder eine andere geeignete langfaserige Komponente anbieten. Bei knappen Vorräten können passende Heunetze oder mehrere kleine Vorlagen die Fresszeit verlängern. Dabei müssen Sicherheit, Haltungsform und individuelle Verträglichkeit berücksichtigt werden.

Schritt 6

Wasser und Hygiene

Frisches Trinkwasser muss ständig verfügbar sein. Eingeweichtes Futter hygienisch zubereiten, besonders bei Wärme nicht lange stehen lassen und Futterreste regelmäßig entfernen.

Schritt 7

Mineralstoffversorgung neu prüfen

Eine deutliche Veränderung der Grundration kann die Versorgung mit Calcium, Phosphor, Spurenelementen und Vitaminen verändern. Mineralfutter nicht pauschal erhöhen oder beibehalten, sondern passend zur neuen Ration auswählen.

Schritt 8

Körperzustand kontrollieren

Körpergewicht oder Brustumfang, Body-Condition-Score, Muskulatur, Kotbeschaffenheit, Fressverhalten und Leistungsbereitschaft regelmäßig beobachten.

Häufige Fehler

  • Heu erst vollständig ausgehen lassen und dann abrupt umstellen.
  • Eingeweichte Menge statt trockener Produktmenge berechnen.
  • Nur Rohfaser vergleichen und Energie, Protein sowie Mineralstoffe ignorieren.
  • Niedrige Stärke automatisch mit niedrigem Zucker gleichsetzen.
  • Große Mengen Pellets oder Cobs in einer einzigen Mahlzeit füttern.
  • Die deutlich kürzere Fressdauer nicht ausgleichen.
  • Bei kranken Pferden ohne tierärztliche Rücksprache experimentieren.

Häufige Fragen zur Heuknappheit

Kann Heu vollständig durch Cobs oder Pellets ersetzt werden?

In besonderen Situationen können geeignete faserreiche Produkte rechnerisch einen großen Teil oder sogar die gesamte Raufutter-Trockenmasse liefern. Das ist vor allem bei schweren Zahnproblemen relevant. Sie ersetzen jedoch nicht automatisch die lange Fressdauer und Verhaltensfunktion von Heu. Ein vollständiger Ersatz sollte daher individuell geplant werden.

Wie viel Heu braucht ein Pferd täglich?

Als verbreitete Orientierung gelten etwa 1,5 bis 2,0 kg Raufutter-Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht und Tag. Der individuelle Bedarf kann abweichen.

Kann ich 1 kg fehlendes Heu durch 1 kg Cobs ersetzen?

Nicht automatisch. Zuerst werden Trockenmasse und Nährstoffwerte verglichen. Je nach Feuchte und Zusammensetzung kann die erforderliche Trockenmenge abweichen.

Sind Timothy-Heucobs besser als Grascobs?

Nicht grundsätzlich. Timothy ist eine bestimmte Grasart; Grascobs können aus unterschiedlichen Wiesengräsern bestehen. Entscheidend sind Analyse, Qualität, Verträglichkeit und der Bedarf des Pferdes.

Sind Timothy-Produkte immer zuckerarm?

Nein. Zuckerwerte schwanken mit Sorte, Standort, Wetter, Schnittzeitpunkt und Verarbeitung. Nur eine Laboranalyse erlaubt eine sichere Einordnung der Charge.

Müssen Timothy-Heupellets eingeweicht werden?

Für Pferde empfiehlt myPellis das Einweichen, besonders bei hastigen Fressern, Senioren oder Zahnproblemen. Maßgeblich ist die Fütterungsanweisung des konkreten Produkts.

Müssen Grascobs eingeweicht werden?

Ja, myPellis Grascobs sollten vollständig nach Produktanweisung eingeweicht werden.

Ist Luzerne ein Heuersatz?

Luzerne ist ein faserreiches Raufuttermittel, unterscheidet sich aber durch meist höhere Protein- und Calciumgehalte deutlich von vielen Grasheusorten. Sie eignet sich daher häufig besser als gezielter Bestandteil einer gemischten Ration.

Ist Grünhafer bei EMS oder PPID geeignet?

Das lässt sich nicht allein anhand des Produktnamens entscheiden. Für die aktuelle myPellis-Charge liegen 3,4 % Gesamtzucker, weniger als 0,2 % Stärke und 3,1 % Fruktan in der Trockenmasse vor. Dennoch müssen Gesamtmenge, übrige Ration und Gesundheitsstatus gemeinsam bewertet werden.

Kann Esparsette mit Grascobs kombiniert werden?

Ja, sofern die Kombination zum Bedarf passt. Durch Esparsette verändern sich unter anderem Protein- und Calciumversorgung, die bei größeren Mengen berechnet werden sollten.

Wie schnell darf ich die Ration umstellen?

Neue Komponenten sollten schrittweise eingeführt werden. Bei größeren Änderungen, empfindlicher Verdauung oder Vorerkrankungen ist besondere Vorsicht erforderlich.

Was ist wichtiger: Rohfaser oder Fresszeit?

Beides erfüllt unterschiedliche Aufgaben. Rohfaser ist für die Nährstoff- und Hinterdarmversorgung wichtig, während lange Fresszeit Kauen, Speichelbildung und Verhalten unterstützt. Eine gute Lösung berücksichtigt beide Aspekte.

Fazit: Heu sparen, ohne die Grundfutterversorgung aus dem Blick zu verlieren

Heu bleibt für die meisten Pferde die wichtigste Raufutterquelle. Bei regionaler Knappheit können Grascobs, Timothy-Heucobs, Timothy-Heupellets, Luzerne, Grünhafer und Esparsette jedoch wertvolle Bausteine sein. Entscheidend ist nicht, irgendein Produkt kilogrammgleich einzusetzen, sondern die fehlende Trockenmasse und die veränderte Nährstoffversorgung fachgerecht zu berechnen.

Grasbasierte Produkte liegen für eine allgemeine Versorgungslücke meist näher an einer klassischen Heuration. Luzerne und Esparsette können gezielt Protein und weitere Nährstoffe ergänzen. Timothy bietet eine klar definierte Grasquelle, ist aber nicht automatisch zuckerarm. Für die aktuelle myPellis-Grünhafercharge liegen analysierte Werte für Gesamtzucker, Stärke und Fruktan vor; bei späteren Chargen sind jeweils die aktuellen Analysewerte maßgeblich.

Wer frühzeitig plant, langsam umstellt, die Trockenmengen wiegt, Analysewerte nutzt und die Fresszeit erhält, kann eine begrenzte Heuverfügbarkeit deutlich besser überbrücken.

Transparenz bei Analysewerten

Die genannten Laborwerte beziehen sich auf die jeweils untersuchte Charge. Naturprodukte können je nach Standort, Erntezeitpunkt und Witterung schwanken. Für die aktuelle Grünhafer-Ernte 2026 liegt ein endgültiger Prüfbericht der LUFA Nord-West vor.

Fachquellen und weiterführende Literatur

  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden.
  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur Pferdefütterung.
  • National Research Council: Nutrient Requirements of Horses, 6. Auflage.
  • Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other Equids.
  • University of Minnesota Extension: Alternative Feedstuffs for Horses; Ten Ways to Stretch Your Horse’s Hay Supply.
  • Meyer, H.; Coenen, M.; Vervuert, I.: Pferdefütterung.
Hinweis

Dieser Beitrag vermittelt allgemeine Informationen zur Pferdefütterung und ersetzt weder eine individuelle Rationsberechnung noch eine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei Erkrankungen, Hufrehe, Insulindysregulation, EMS, PPID, deutlichem Über- oder Untergewicht, Zahnproblemen sowie bei tragenden, laktierenden oder heranwachsenden Pferden sollte die Fütterung individuell abgestimmt werden. Analysewerte von Naturprodukten können von Charge zu Charge schwanken.

Passende Raufutterprodukte von myPellis

Im myPellis Sortiment finden Sie Grascobs, Timothy-Heucobs, Timothy-Heupellets, Luzernepellets, Luzernewürfel, Grünhafercobs und Esparsette. Bitte beachten Sie stets die jeweilige Produktbeschreibung, Fütterungsempfehlung und aktuelle Chargenanalyse.

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